Junge Flüchtlinge Angebote für unbegleitete minderjährige Ausländer

Jedes Jahr kommen zahlreiche minderjährige Ausländer unbegleitet nach Deutschland, weil sie oder ihre Familien in ihren Herkunftsländern keine Perspektive haben oder ihr Leben in Gefahr ist.

Oftmals wurden ihre Eltern verschleppt oder ermordet und sie selbst sind von Zwangsrekrutierung als Kindersoldaten oder Zwangsprostitution bedroht. Für die Kinder und Jugendlichen ist eine Flucht meist traumatisch:

Getrennt von der Familie, allein unterwegs, ohne die vertrauten Bezugspersonen, verbunden mit wochenlangen strapaziösen Märsche und vielen Entbehrungen.Als unbegleitete minderjährige Ausländer (umA) werden Menschen bezeichnet, die noch nicht volljährig sind und ohne Angehörige aus ihrem Heimatland in ein anderes Land flüchten oder dort zurückgelassen werden. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus den Kriegs- und Krisengebieten des Vorderen Orients und Afrikas zu uns. Derzeit sind es vor allem junge Menschen aus Syrien, Afghanistan und Eritrea. Die jungen Menschen haben internationalen Konventionen zufolge (zum Beispiel UN-Kinderrechtskonvention und Haager Minderjährigen Schutzabkommen) sowie nach europäischen und nationalen Vorgaben Anspruch auf eine Aufenthaltserlaubnis, besonderen Schutz und Betreuung.

Aufnahmeverfahren

Unbegleitete minderjährige Ausländer werden zunächst vom örtlich zuständigen Jugendamt in Obhut genommen. Daran schließt sich ein sogenanntes Clearingverfahren an. Mithilfe des Verfahrens soll der Hilfebedarf des Jugendlichen festgestellt werden. Die notwendigen weiteren Schritte werden in einem Hilfeplan nach § 36 SGB VIII festgelegt. Meist wohnen die Jugendlichen dann bis zum 18. Lebensjahr in einer sozialpädagogischen Wohngruppe. Danach sind sie in der Regel auf sich allein gestellt, da Hilfen für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII meist aus Kostengründen nicht gewährt werden. Oft droht mit Erreichen der Volljährigkeit die Abschiebung in das Herkunftsland.

Angebote in der Diakonie Michaelshoven

Um dem stetigen Bedarf an Betreuungsplätzen für unbegleitete minderjährige Ausländer (umA) gerecht zu werden, gibt es in der Diakonie Michaelshoven verschiedene Wohnangebote für die jungen Menschen. Dazu zählen:

  • die Wohngruppe Pantaleon in Michaelshoven (spezielle Gruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit 14 Plätzen zur (vorläufigen) Inobhutnahme),
  • eine Wohngruppe in Köln-Deutz (spezielle Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit 8 Plätzen),
  • zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Porz
  • sowie Einzelplätze in weiteren Wohngruppen.

Unsere Arbeit

Wir bieten den Kindern und Jugendlichen einen Schutzraum und sicheren Ort, in dem sie Ruhe finden und von dem aus sie sich in der neuen Umgebung orientieren können. Wir helfen den jungen, oft traumatisierten Menschen, eine stabile Persönlichkeit zu entwickeln und Schritt für Schritt in eine Normalität zu finden.

Wir begleiten das Auseinandersetzen mit der eigenen Lebensgeschichte, der kulturellen und sozialen Herkunft, der Flucht und der Trauer um den Verlust von sozialen und familiären Bindungen. Uns ist es wichtig, die Jugendlichen langsam und behutsam an die hier geltenden gesellschaftlichen Normen und Werte heranzuführen und sie bei dem Aufbau von sozialen Netzwerken zu unterstützen.

Unsere multiprofessionellen Teams sind rund um die Uhr ansprechbar, sie unterstützen in Abstimmung mit den gesetzlichen Betreuern die jungen Flüchtlinge bei Behördengängen und klären rechtliche Fragen ab. Zudem ist sichergestellt, dass die Jugendlichen medizinisch betreut werden. Bei Bedarf bekommen sie psychologische sowie kinder- und jugendpsychiatrische Hilfe.

Gemeinsam mit den jungen Menschen erarbeiten wir eine schulische und/oder berufliche Perspektive. Wir unterstützen sie dabei, schnell Deutsch zu lernen, denn dies ist eines der ersten Ziele der Bewohner. Später besuchen sie dann externe Schulen, Integrations- und Sprachkurse außerhalb oder beginnen mit einer Ausbildung.