PIK – Psychiatrienachsorge, Inobhutnahme, Krise

Bau einer Einrichtung in der Schnittstelle Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie in Overath-Vilkerath

Die Diakonie Michaelshoven baut im Auftrag der Jugendämter im Rheinisch-Bergischen Kreis und der Stadt Leverkusen eine neue Jugendhilfegruppe in Overath-Vilkerath. Der Spatenstich wird Anfang April sein. Das Bauende ist für Sommer 2022 (Juni/Juli) angesetzt.

In den drei Gruppen der Einrichtung "PIK – Psychiatrienachsorge, Inobhutnahme, Krise" werden auf drei Etagen zukünftig 10 junge Menschen betreut und wenn nötig beschult werden.

Jugendlichen einen sicheren Rahmen geben

Kinder und Jugendliche, die einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik hinter sich haben, können oftmals nicht direkt in einer herkömmlichen Jugendhilfewohngruppe betreut werden. Meist benötigen die psychiatrisch belasteten jungen Menschen besondere, für ihre Situation passende Angebote. Andere junge Menschen wiederum haben bereits in verschiedenen Wohngruppen gelebt, doch fanden dort nicht die für sie passenden Maßnahmen vor. Zwar gibt es mittlerweile zunehmend Angebote der Jugendhilfe, die eine solche Schnittstelle zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Jugendhilfe darstellen. Doch meist gibt es dort nur wenige Plätze.

 

 

Bauzeichnung des geplanten Neubaus für das Projekt "PIK – Psychiatrienachsorge, Inobhutnahme, Krise".
PIK – Psychiatrienachsorge, Inobhutnahme, Krise: Der geplante Neubau. (© nebel pössl architekten)

Hilfe für Kinder und Jugendliche im Rheinisch-Bergischen Kreis

Seit 10 Jahren bietet die Kinder- und Familienhilfen Michaelshoven gGmbH in Köln ein solches spezielles Angebot für Kinder und Jugendliche aus dem Stadtgebiet Köln an, die im Anschluss an einen Klinikaufenthalt und vor einer Rückführung in die Familie oder eine stationäre Jugendhilfemaßnahme Unterstützung benötigen.

Um auch Kindern und Jugendlichen im Rheinisch-Bergischen Kreis eine solche Art der Hilfe anbieten zu können, baut die Diakonie Michaelshoven in Kooperation mit den Jugendämtern des Rheinisch-Bergischen Kreises und der Stadt Leverkusen die Einrichtung "PIK" in Overath-Vilkerath.

In der neuen Einrichtung in Vilkerath soll das Konzept der Kölner Einrichtung mit einer Mischung aus Psychiatrienachsorge, Inobhutnahme und Betreuung in akuten Krisen weitgehend übernommen werden.

Die Kinder und Jugendlichen sollen in der neuen Einrichtung einen sicheren Rahmen vorfinden, um sich– unterstützt durch pädagogische Fachkräfte – zu stabilisieren und neue Perspektiven für sich aufbauen zu können.

Die Jugendlichen befanden sich zuvor in einer stationären psychiatrischen Behandlung und werden mit Einzug in das neue Haus von einem fachlich qualifizierten Team aus Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog*innen und externen Fachkräften rund um die Uhr betreut und begleitet.  

3 Gruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten

In der Einrichtung "PIK" wird es auf drei Etagen drei Kleingruppen mit unterschiedlichen Zielsetzungen geben:

  • In einer Gruppe wird, wie im Kölner Haus, eine prozesshafte Psychiatrienachsorge angeboten. Die Jugendlichen verbleiben ungefähr 12 Monate in der Gruppe. Während dieser Zeit sollen sie sich weiter stabilisieren können. Anschließend sollen sie möglichst in der Lage sein, wieder zu ihren Eltern zurückzukehren oder in eine andere Hilfeform zu wechseln.
  • Die  Schwerpunkte der beiden anderen Gruppen liegen auf Krisenintervention, Diagnostik und Inobhutnahme. Die Jugendlichen verbleiben hier jedoch weitaus kürzer.

Geschlossene Führung nach §1631b BGB möglich

Das Haus nimmt Jugendliche mit der Besonderheit des richterlichen Beschlusses nach §1631b BGB auf. Dies bedeutet, dass in kurzen, klar definierten Zeiträumen Jugendliche geschlossen geführt werden können und ihre Freiheit dadurch eingeschränkt wird.

Die Jugendlichen sollen dadurch einen Schutzraum für sich erhalten. Zudem soll verhindert werden, dass sie sich in gefährliche Situationen begeben. Meist sind dies Situationen der Selbstgefährdung. Die geschlossene Führung bietet den Fachkräften die Chance, einen Kontakt und eine Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen, um ein weiteres Entziehen aus dem Angebot zu verringern. Dies ist die Grundlage, um mit den Jugendlichen wieder pädagogisch arbeiten zu können.

An eine Phase der Geschlossenheit schließt sich die Phase begleiteter Ausgang an. Hier werden die Jugendlichen in ihren Aktivitäten außer Haus von einer Fachkraft begleitet.

In weiteren Phasen bekommen die Jugendlichen immer mehr Raum, um erlernte Inhalte in der Praxis umsetzen zu können.

 

  • Julia* ist 16 Jahre alt. Die letzten Monate hat sie stationär in der Kinder- und Jugendpsychiatrie verbracht und die Schule der Klinik besucht. Sie hat sich dort stabilisiert. Julia ist jedoch noch weit davon entfernt, eine öffentliche Schule zu besuchen, wieder zu ihren Eltern zu ziehen oder in einer herkömmlichen Jugendhilfegruppe betreut zu werden. Denn sie verletzt sich weiterhin massiv selbst. Auch wenn die zeitlichen Abstände zwischen den Selbstverletzungen größer geworden sind, schneidet sich Julia immer wieder tief in die Arme und schluckt Gegenstände, die zu lebensgefährlichen Verletzungen führen können. Somit werden wiederholt medizinische Notfallversorgungen nötig. Um einen Schutz zu bieten, wurde sie mit einem richterlichen Beschluss schon häufiger auf einer geschlossenen Station der Klinik behandelt. 

    Bei ihr wurde ein Persönlichkeitsentwicklungsstörung Typs Borderline diagnostiziert. Sie benötigt zur weiteren Stabilisierung und dem Aufbau neuer Perspektiven ein Setting, das mit diesen Verhaltensweisen nicht überfordert ist und in dem die psychiatrischen, therapeutischen und pädagogischen Fachkräfte gemeinsam mit der Jugendlichen und der Familie eng zusammenarbeiten.
  • Andere Jugendliche, wie beispielsweise Marc*, haben bereits in einer Vielzahl von Jugendhilfegruppen versucht einen Ort zu finden, an dem sie sich gut weiterentwickeln können. Die Maßnahmen stellten sich jedoch häufig als nicht passend heraus und Marcs Bereitschaft, mitzuarbeiten, nimmt kontinuierlich ab. Inzwischen entfernt er sich oft ohne Absprache von der Gruppe und kehrt manchmal tagelang nicht zurück. Die Schule besucht er seit mehreren Monaten nicht mehr. Er „hängt“ lieber mit seinen Freunden ab und „chillt“. Marc lässt sich immer weniger auf pädagogische Angebote ein.
     

In beiden Fällen könnten die Jugendlichen in der neuen Jugendhilfeeinrichtung PIK in Overath-Vilkerath die Hilfe und Betreeung finden, die sie akut benötigen. 
 

* Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

Informationsveranstaltung

Aufgrund der aktuellen Einschränkungen können wir leider keine Veranstaltung vor Ort anbieten und holen dies nach, sobald es wieder möglich ist.

Falls Sie jedoch zwischenzeitlich Fragen haben sollten, so beantworten wir Ihnen diese gerne. Wir freuen uns über eine Nachricht über die E-Mail-Adresse pik@diakonie-michaelshoven.de. Auf Wunsch rufen wir Sie auch gerne zurück.

Kontakt:

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