Bundespräsident a. D. Joachim Gauck besucht die Diakonie Michaelshoven und würdigt ihr Engagement und ihre Verantwortung

Bundespräsident a.D. Joachim Gauck

Anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Diakonie Michaelshoven hielt Bundespräsident a. D. Joachim Gauck am 12. Juni 2025 einen Vortrag zum Thema „Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Zuversicht auch in schwierigen Zeiten“. Über 200 Gäste folgten der inspirierenden Rede in der Erzengel-Michael-Kirche. Gauck appellierte darin, zentrale Werte wie Freiheit und Verantwortung zu verteidigen und füreinander einzustehen. Denn, so zeigte er sich überzeugt, Vorurteile und Ressentiments spalten die Gesellschaft und gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Kritik am demokratischen System sollte aus seiner Sicht mit politischen Mitteln und im demokratischen Diskurs geführt werden – nicht durch Ausgrenzung oder Abwertung. 

In seiner Rede würdigte Gauck das jahrzehntelange Engagement der Diakonie Michaelshoven für benachteiligte Menschen und rief zu gesellschaftlicher Verantwortung und demokratischer Teilhabe auf. „Die Freiheit der Erwachsenen heißt Verantwortung“, betonte er und verwies auf die Bedeutung eines Lebens in Bezogenheit auf andere. Wer Verantwortung übernehme, erfahre Glück nicht als flüchtigen Rausch, sondern als nachhaltige Lebensform. 

In diesem Zusammenhang erinnerte Gauck an die Gründung der Diakonie Michaelshoven im Jahr 1950. Aus kleinen Anfängen inmitten von Armut und Hoffnungslosigkeit sei eine Einrichtung entstanden, die heute über 3.000 Mitarbeitende und 650 Ehrenamtliche zählt. „Das ist schon ein Konzern – aber eben mit einem besonderen Geist“, sagte Gauck anerkennend. Die Diakonie Michaelshoven sei ein großer und bedeutender Träger sozialer Arbeit in der Region, der weit über den kirchlichen Bereich hinaus gesellschaftliche Anerkennung gefunden habe. 

Gauck hob besonders hervor, wie Michaelshoven Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderung durch stationäre und ambulante Angebote sowie inklusive Wohnformen eine neue Lebensperspektive bietet. „Ich habe mich über innovative Programme gefreut, die Menschen mit Behinderung Zugang zu einem lebenswürdigen Leben verschaffen“, so Gauck. „Ich mag es, wenn man nicht verzagt, sondern Leuten, die gescheitert sind, eine zweite Chance bietet“, betonte er und brachte damit seine Hochachtung für das Leitbild der Diakonie Michaelshoven zum Ausdruck: „Ich sehe dich – das ist der Satz, der hier gelebt wird.“ Diese Haltung sei, so Gauck, die Grundlage einer Arbeit, die nicht nur Versorgung leiste, sondern echte Begegnung ermögliche – auf Augenhöhe und mit Respekt. „Der andere ist nicht unter mir und nicht über mir – er ist neben mir.“ 

Er zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt der Angebote auf dem Campus – vom generationenübergreifenden Miteinander bis hin zu kulturellen Veranstaltungen. „Ich freue mich über Erzählcafés, Nachbarschaftsfeste und dieses Miteinander mit der Bürgergesellschaft rundherum. Das gibt Hoffnung, dass unsere Gesellschaft nicht den Bach runtergeht.“ Besonders wichtig sei dabei das Vertrauen in die Wirksamkeit gemeinsamen Handelns: „Das ist einfach Zutrauen – und daraus kann Gelingen werden.“ 

Nach der Veranstaltung besichtigte Gauck gemeinsam mit dem Vorstand, Prof. Uwe Ufer und Rainer Schmidt, den Campus in Michaelshoven. Im Albert-Schweitzer-Haus kam er mit Seniorinnen und Senioren, Kita-Kindern sowie Vertreterinnen und Vertretern des Michaelshovener Jugendparlaments ins Gespräch. Er zeigte sich beeindruckt vom gelebten diakonischen Geist und der Vielfalt der Begegnungsmöglichkeiten, wo sich ältere Menschen, Familien und Ehrenamtliche austauschen, beraten lassen und gemeinsam Kultur erleben können. 

„Die Diakonie Michaelshoven ist nicht nur ein Ort der Hilfe, sondern auch ein Ort der Hoffnung und des gesellschaftlichen Aufbruchs“, resümierte Gauck zum Abschluss seines Besuchs.