Anstieg häuslicher Gewalt im rechtsrheinischen Köln

illustrationen von frauenköpfen

Die Frauenberatung und das Gewaltschutzzentrum „Der Wendepunkt“ der Diakonie Michaelshoven legt den Jahresbericht für 2025 vor. Die Zahlen zeichnen ein schwieriges Bild: Mit 710 Beratungsfällen verzeichnete die Stelle einen Zuwachs von 15 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders die Zunahme von Wiederholungsfällen und die hohe Anzahl mitbetroffener Kinder fällt in diesem Jahr besonders auf.

Von den insgesamt 710 Fällen häuslicher Gewalt wurden 43,5 % (309 Fälle) direkt durch die Polizei vermittelt. Das ist ein Anstieg von 20 % in diesem Bereich.

Kinder und Heranwachsende als Mitbetroffene der häuslichen Gewalt

In 57 % der Fälle lebten minderjährige Kinder im Haushalt. Insgesamt waren 715 Kinder und Jugendliche unmittelbar oder mittelbar von der Gewalt in ihrem Zuhause betroffen, sei es, dass sie die häusliche Gewalt gesehen, gehört oder sogar einbezogen waren. „Wir konnten gerade mal 60 Fälle in unserer Kinder- und Jugendberatung direkt unterstützen, da wäre viel mehr notwendig“, sagt Marina Walch, Leiterin des Wendepunktes der Diakonie Michaelshoven, Soziale Hilfen gGmbH. 

Massive Bedrohungen

In 88 Fällen wurden Frauen wegen besonders massiver Bedrohungen beraten. „Viele dieser Frauen* wurden intensiv unterstützt, um aus der akuten Gefahr einen Ausweg zu finden, wie z.B. durch ein Näherungsverbot gegen den Täter oder die Flucht ins Frauenhaus“, so Marina Walch. 

Stalking Opfer

68 Fälle von Stalking (Im Vorjahr: 48) wurden gezählt. Eine Steigerung der Stalking-Opfer wird auch darauf zurückgeführt, dass Trennungen nach häuslicher Gewalt vom gewalttätigen Partner oft nicht akzeptiert werden und Bedrohungen und Belästigungen (auch in digitaler Form) den Alltag der Frauen (und ihrer Kinder) prägen. 

Forderungen an die Politik: Finanzierung und Prävention

Der Bericht macht zudem deutlich, wo das Hilfesystem an seine Grenzen stößt. Während die Fallzahlen steigen, fehlen für spezifische Bereiche wie die Stalking-Beratung, oder die Kinder- und Jugendberatung weiterhin gesicherte Finanzierungsgrundlagen. Letzteres wird nur durch Spenden von „wir helfen“ der gemeinnützigen Aktion des „Kölner Stadt-Anzeigers“ sowie durch die Stiftung RTL: wir helfen Kindern“ finanziell ermöglicht. Die Stalkingberatung wird im rechtsrheinischen gar nicht finanziert.

Zudem fordert der „Wendepunkt“ eine obligatorische Datenübermittlung durch die Polizei nach Einsätzen bei häuslicher Gewalt, um mehr Betroffene durch die proaktive und schnelle Kontaktaufnahme der Berater*innen erreichen zu können.

„Die gestiegenen Zahlen hängen aus meiner Sicht nicht eindeutig mit mehr Fällen der häuslichen Gewalt zusammen, sondern zeigen, dass die Vermittlung durch die Polizei besser funktioniert“, sagt Marina Walch. „Eine obligatorische Datenübermittlung, d.h. die Vermittlung aller Fälle häuslicher Gewalt an die Beratungsstelle, könnten dazu beitragen noch mehr Personen zu erreichen, die selbst den Weg zu uns nicht finden“, ergänzt sie. 

Aktuelle Personalsituation in der Gewaltschutzberatung

Die Personalsituation ist nach wie vor deutlich unterfinanziert. Mit weiteren Mitarbeiterinnen könnte die Beratung ausgebaut werden und mehr Fälle mit mehr Zeit betreut werden. Gerade in akuten Bedrohungssituationen kommt es darauf an, schnell und intensiv zu beraten und zu begleiten. Außerdem ist eine notwendige Begleitung zu Terminen, wie bspw. Rechtsberatung oder zur Polizei unter der aktuellen personellen Aufstellung nicht leistbar.