Einblick

Stephansheide zur Corona-Zeit

Junge Bewohner in Stephansheide sitzen in einem kleinen Häuschen.

Christi Himmelfahrt in Stephansheide, das hieß eigentlich immer Spaß beim Sommerfest. Wo sonst Freunde, Familie, Nachbarn und Anwohner zusammengekommen sind, wird es zum ersten Mal seit vielen Dekaden kein Fest geben. Die Corona-Regeln machen es einfach nicht möglich.

Henning Störck ist Bereichsleiter der stationären Erzieherischen Hilfen in Rösrath und Region. Seit über 30 Jahren arbeitet er in Rösrath-Stephansheide mit Kinder und Jugendlichen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr bei ihren Familien wohnen können. „Dass das Fest ausfällt ist schon ein Einschnitt in unserer Geschichte. Wir alle bedauern das natürlich sehr“, sagt er. Aber mit dem geltenden Kontaktverbot ist ein großes Fest nun mal nicht machbar.

Quarantäne in Stephansheide

Quarantäne in Stephansheide – wie bekommt man das geregelt? Die Zeit des Herunterfahrens sei nicht so schwierig gewesen, wie die aktuelle Phase, sagt Henning Störck. „Wir haben einen großen Campus, den konnten die Kinder und Jugendlichen sehr gut nutzen. Alles andere war natürlich nur bedingt möglich. Familienbesuche haben wir erlaubt, jedoch durften keine Externen in die Wohngruppen. Wenn Besucher kamen, dann mussten sie sich an die Auflagen halten. “

Vielen Kindern und Jugendlichen in Stephansheide fehlte trotzdem der Außenkontakt. Einige hatten Schwierigkeiten, sich an die neuen Regeln zu halten. „Wenn wir nächtliche Ausreißer haben, wissen wir ja nicht wo und mit wem sie sich aufhalten. Sie sind dann ein Gesundheitsrisiko für alle hier. Aber dieses Restrisiko müssen wir tragen.“

Ein Restrisko müssen wir tragen.

Henning Störck

Eine positive Bilanz – trotz allem

Trotzdem kann das Team um Henning Störck auch eine positive Bilanz ziehen: „Wir haben gemerkt, dass das Herunterfahren vielen Kindern und Jugendlichen guttut. Das Leben ohne Termine ist für sie entspannter. Wir werden noch reflektieren, welche Tagespunkte wir in Zukunft brauchen und welche nicht.“

Die Zeit nach dem Lockdown verlangt ihm und seinem Team jedoch momentan viel ab. „Einen neuen Alltag zu kreieren ist eine ganz neue Herausforderung. Wir brauchen eine ganz neue Normalität – das sind massive Anforderungen an die Mitarbeitenden“, sagt Henning Störck. „Wir haben beispielsweise einen Jungen mit Autismus. Für ihn sind die unterschiedlichen Schulzeiten sehr schwierig zu verarbeiten.“ Es sei viel Arbeit, von nun an eine komplette Tagesstruktur auf die Beine zu stellen, die alle Auflagen einhält und alle Kinder und Jugendlichen auf dem Campus bedient. „Wir brauchen ja auch noch weitere Zeit für administrative Arbeit. Und es ist auch noch nicht geklärt, ob die Kostenträger zusätzliche Leistungen für die momentane Mehrarbeit erbringen“, sagt Henning Störck.

Das Leben ohne Termine ist für die Kinder entspannter.

Henning Störck
Drei junge Bewohner in Stephansheide spielen Fußball.
Gemeinsames Fußballspielen in Stephansheide.

Neue Termine in Planung

Trotz allem denkt das Team aus Stephansheide zukunftsorientiert: „Im Herbst möchten wir einen Flohmarkt veranstalten, um den Kontakt zu Nachbarn und Anwohnern zu halten. Es stehen auch noch ein paar Veranstaltungen in unserer Kapelle aus. Wir würden uns sehr freuen, wenn diese Termine stattfinden.“

Infobox Stephansheide

In Stephansheide wurde 1950 die heutige Diakonie Michaelshoven gegründet, die einer der größten sozialen Träger im Kölner Raum geworden ist. Heute leben hier in mehreren Wohngruppen rund 50 Kinder und Jugendliche, die nicht in ihren Familien bleiben können und besondere Betreuung und Fördermöglichkeiten benötigen.

 

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