Interview

Sozialarbeiter mit grünem Daumen

Alexander Polz im Mitmachgarten

Alexander Polz ist 29 Jahre alt, lebt in Bergisch Gladbach, studiert Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule in Köln und schreibt aktuell seine Bachelorarbeit. Seit über einem Jahr arbeitet er im Pflegeheim Thomas-Müntzer-Haus beim Sozialen Dienst als Werkstudent. Nach seiner Bachelorarbeit wird er bei der Diakonie Michaelshoven festangestellt. Eine ungewöhnliche Entscheidung für einen angehenden Sozialarbeiter, denn viele seiner Kommilitonen arbeiteten in anderen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit.

Du studierst Soziale Arbeit und arbeitest in der Altenhilfe. Ein eher untypisches Arbeitsfeld. Wie kam es dazu?

Im ersten Semester gab es ein Orientierungspraktikum von 20 Tagen. Unsere Professoren gaben uns den Tipp: `Gehen Sie dahin, wo Sie sich nicht sehen`.  Und da ich vorher ein Praktikum in der offenen  Kinder- und Jugendarbeit gemacht habe und auch davon ausging, in diesem Bereich irgendwann zu arbeiten, entschied ich mich für die Altenhilfe. Ich konnte mir darunter nichts vorstellen, wie Soziale Arbeit für alte Menschen aussehen kann und hatte auch erst Berührungsängste. Als ich dann aber mein Praktikum in einem Altenheim in Bergisch Gladbach absolvierte, da wurde in mir das Feuer entfacht. Danach habe ich im Studium alles so gelegt, dass ich perspektivisch in der Altenhilfe tätig werden kann.

 Was genau hat Dich denn überzeugt?

Ich habe es hier mit Erwachsenen zu tun, die mich nicht – wie Kinder oder Jugendliche – provozieren, um Grenzen auszutesten. Die Arbeit mit älteren Menschen ist für mich eine erfüllende Arbeit, und ich kann mich in vielen Bereichen entfalten und weiterbilden.  Außerdem muss ich nicht immer wieder betonen, warum es so wichtig ist, sich die Zähne zu putzen (lacht).

Wie bist Du dann zur Diakonie Michaelshoven gekommen?

Eine Freundin von mir arbeitet in der Diakonie Michaelshoven und empfahl mir auf der Webseite zu schauen, ob ein passender Job ausgeschrieben ist. Tatsächlich gab es eine vakante Stelle beim Sozialen Dienst im Altenheim Thomas-Müntzer-Haus. Und als ich gelesen habe, dass das Altenheim einen Sinnesgarten hat, da hatte ich Herzklopfen, weil ich schon eine Passion für Gärten und Natur habe. In meinem Praxissemester davor hatte ich eine Projektarbeit über den Garten als Bildungsort in der stationären Altenhilfe geschrieben. Also schickte ich direkt am Abend meine Bewerbung raus. Ich war aufgeregt und hoffte auf eine positive Rückmeldung. Und dann wurde ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen, hatte einen Probetag und wurde dann als Werkstudent eingestellt.

Was genau machst Du in Deinem Job?

Ich plane mit meinen Kolleginnen alle soziokulturelle Angebote für unsere Bewohnerinnen und Bewohner. Dazu gehören alle Veranstaltungen, wie Konzerte und Ausflüge, zum Beispiel ins Phantasialand oder ins Museum. Aber auch Gesangsnachmittage, Tanzangebote, Andachten oder Bewegungsangebote gehören dazu. Außerdem koordiniere ich noch die Besuche von Ehrenamtlern, Paten und Gesellschaftern. Auch die Dokumentation zählt zu meinen Aufgaben.

Ganz wichtig ist es für uns, herauszufinden, was für jeden Bewohner individuell das Richtige ist. Wir gehen auf die einzelnen Etagen und suchen das Gespräch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, um herauszufinden, wie es ihnen geht und was sie sich wünschen. Wir leisten hier im Thomas-Müntzer-Haus primär Gefühlsarbeit, weil hier der größte Teil der Menschen demenzielle Veränderungen hat.

Alexander Polz im Mitmachgarten
Als Alexander Polz von dem Mitmachgarten im Altenheim erfuhr, war er sofort Feuer und Flamme. Er hat eine Passion für Natur und Gärten.
Alexander Polz im Mitmachgarten
Er besorgte in Bergisch Gladbach ein Hochbeet, damit er gemeinsam mit den Senioren bequem dran arbeiten kann.
Alexander Polz im Mitmachgarten
Der Mitmachgarten ist für die Bewohner ein Ort der Entschleunigung und auch der Sinnesaktivierung.
Alexander Polz im Mitmachgarten
Auch privat ist Alexander Polz sehr naturverbunden und kümmert sich um zwei Gärten. Aktuell will er das Imkern lernen.

Du hast die Corona-Krise von Beginn an mitbekommen. Wie war die Situation im Altenheim?

Es war eine Herausforderung, da kein Besuch erlaubt war und auch keine größeren Veranstaltungen mehr möglich waren. Wir wollten aber dennoch unseren Bewohnerinnen und Bewohnern etwas bieten. Also fanden Balkonkonzerte statt, das heißt, die Senioren saßen auf den Balkonen und die verschiedenen Künstler spielten von unserem Garten aus. Das ist ein sehr spannendes Format, welches wir meiner Meinung nach auch nach der Corona-Krise weiter beibehalten sollten.

Wir mussten uns im Sozialen Dienst generell neu organisieren und schauen, was unsere Bewohnerinnen und Bewohner brauchen. Die Besuche von Angehörigen und Ehrenamtlichen zu ersetzen, war jedoch kaum möglich. Und dann mussten wir auch die Vorgaben der Landesregierung und der kommunalen Behörden umsetzen, wie beispielsweise die kurzfristig erlassene Besuchserlaubnis an Muttertag. Dies musste innerhalb nur weniger Tage unter Berücksichtigung aller Sicherheitsvorkehrungen organisiert werden. Das war sehr stressig für uns. Aber letztendlich waren unsere Bewohnerinnen und Bewohner und deren Angehörigen sehr glücklich, sich endlich wiedersehen zu können.

Wie habt ihr den Kontakt zu den Angehörigen gehalten?

Wir haben Tablets und Smartphones gespendet bekommen. So konnten Videochats mit den Angehörigen, die auch sehr unter der Situation gelitten haben, geführt werden, was sehr gut war. Und ich habe auch handschriftlich Briefe geschrieben, das war auch sehr persönlich und kam sehr gut an. Wir haben hier sehr viel Dankbarkeit von Seiten der Angehörigen erlebt.

Jetzt sind Besuche wieder möglich, natürlich weiter mit Einschränkungen, aber es ist für unsere Bewohnerinnen und Bewohner sehr wichtig. Die Sehnsucht war sehr groß und die sozialen Kontakte fehlten. Für uns Mitarbeitende war es eine Herausforderung, jedem Bewohner in dieser Krise gerecht zu werden, denn jeder einzelne Mensch bringt seine individuelle Biografie und Vorliebe mit. 

Was steht denn als Nächstes an?

Unser Sommerfest am 23. Juni findet nicht wie sonst im Garten statt sondern in Form eines Balkonkonzerts. Es wird Livemusik geben und es wird gegrillt. Allerdings wird dann das Essen in den Etagen verteilt, damit sich die einzelnen Wohngruppen nicht mischen.

Wie findest Du den Ausgleich zu Deinem Job?

Ich habe zwei Gärten, die ich aktuell bewirtschafte und in denen ich Gemüse anbaue und ernte. Außerdem bringe ich mir gerade das Imkern gemeinsam mit einem Freund bei. Daneben mache ich noch Musik mit einer Band. Aber im Moment steht meine Bachelorarbeit im Vordergrund, da habe ich wenig Zeit für meine Hobbies.  

Lieblingsort: der Mitmachgarten

Für Alexander Polz ist der Mitmachgarten im Thomas-Müntzer-Haus eine Oase der Entschleunigung und auch der Sinnesaktivierung. Hier trifft man ihn oft mit Bewohnerinnen und Bewohnern, die gemeinsam mit ihm den vielseitigen Garten entdecken, an den verschiedenen Blüten und Kräutern riechen, im Naschgarten Beeren essen oder in der Erde graben. Der ganze Garten ist ein farbenfrohes Paradies mit vielen Sitzmöglichkeiten, in dem sich auch Hummeln und Bienen gerne an den Pflanzen bedienen können.

Der Mitmachgarten wurde durch die Stiftung der Diakonie Michaelshoven finanziert. Beim Anlegen des Gartens waren innerhalb von 14 Tagen 14 Unternehmen beteiligt, die im Rahmen eines Freiwilligentages ihre Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung gestellt haben.

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